Gasthof Zum Schwarzen Elefanten, Scheibbs (Niederösterreich)

Der Gasthof Zum Schwarzen Elefanten zählt zu den ältesten Wirtshäusern von Scheibbs – die Geschichte des Gastbetriebes reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, das am Rathausplatz, in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche gelegene Gebäude ist sogar schon seit dem Spätmittelalter nachweisbar und enthält auch noch kleinere Bauteile aus dieser Zeit. Im Wesentlichen stammt der heute bestehende Bau jedoch aus den Jahren um 1600, wenngleich es, wie üblich, auch in späteren Jahrhunderten noch zu Veränderungen kam: So konnten bei Untersuchungen der Fassadenputze nicht weniger als fünf Putzschichten vom 15. bis zum 19. Jahrhundert nachgewiesen werden.

Mit freiem Auge allerdings sieht man dem Gebäude sein Alter und seine lange Geschichte nicht unbedingt an, denn die Fassade ist grau und unscheinbar verputzt. Einen Blickfang bietet sie aber doch, nämlich die auffällig gerundete Ecke zum Rathausplatz. Hier öffnet sich das Untergeschoss in drei Bögen zum Eingang, darüber erblickt man das alte Wirtshausschild, den schwarzen Elefanten, der ohne jegliches Beiwerk an die Fassade geschraubt ist. Von wann genau dieses schlichte Metallschild stammt, vermag ich leider nicht zu sagen. Gut möglich, dass es sich um eine moderne Nachahmung oder überhaupt um eine relativ rezente Neuschöpfung handelt.

Aber noch mehr ins Auge sticht ohnehin die direkt darüber angebrachte Nische, die – übrigens passend zum heutigen Feiertag – eine Statue der Maria Immaculata enthält. Eine aufwändige Stuckverzierung mit Ranken, Girlanden und einem Engelskopf rahmt die Nische und hebt sie vom Rest der Fassade hervor. Die hier verwendeten Dekorationsformen lassen sich auch stilistisch besser einordnen als der einfache Elefant darunter: Sie sind spätbarock und stammen aus dem 18. Jahrhundert. Da der Gasthof im Jahr 1735 bei einem Brand schwer beschädigt wurde, ist auf jeden Fall von umfassenden Renovierungsarbeiten im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts auszugehen – möglicherweise wurde in diesem Zusammenhang die Figurennische eingefügt. Zusammen mit dem darunter angebrachten Wirtshausschild bildet sie ein optisch reizvolles Ensemble, gerade weil die beiden Elemente so verschieden sind. Auch wenn es sich hier letztlich nur um Details handelt, sind es doch gerade solche Details, die es oft so lohnend machen, auch scheinbar wenig spektakulären Gebäuden seine Aufmerksamkeit zu widmen – und sei es auch nur ein kurzer, bewundernder Blick im Vorbeigehen…

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