Bürgerhaus, Weißkirchen (Steiermark)

Zum Jahresausklang, wie im letzten Post, noch einmal Merkur, der Gott des Handels, diesmal allerdings in einer Variante, die fast etwas unfreiwillig Komisches an sich hat – schließlich ist zu Silvester ja traditionell Heiteres gefragt…

Wieder handelt es sich um ein Giebelrelief, diesmal in Stuck ausgeführt und an einem alten Wohn- und Geschäftshaus im steirischen Weißkirchen angebracht. Mit der Jahreszahl 1860 datiert, sitzt die nackte Figur der antiken Gottheit auf einer Kiste, in der einen Hand den Botenstab, in der anderen einen kleinen Sack, vermutlich einen Geldsack. Hinter Merkur sind mehrere gut verschnürte Warenballen übereinandergestapelt, an die ein Anker gelehnt ist. Vor ihm hingegen erblickt man einige Fässer und darüber ein Segelschiff, das wohl auf den Fernhandel verweisen soll. Gerahmt wird das Ganze durch fleischige Blattranken, die auch die unteren Zwickel des Giebelfeldes ausfüllen.

Das Thema des Stuckreliefs wirkt in einer so ländlichen Umgebung auf den ersten Blick erstaunlich, lässt sich aber gut aus der Lage und Geschichte von Weißkirchen erklären: Nicht weit von der alten Handelsstadt Judenburg an einer wichtigen Straßenkreuzung gelegen, profitierte der Ort über Jahrhunderte vom regen Handelsverkehr. Als Folge davon wirkt das gut erhaltene architektonische Erscheinungsbild des Dorfkerns bis heute fast mehr kleinstädtisch als dörflich. Und auch der stuckierte Merkur verrät ja einen gehobenen, quasi städtisch-bürgerlichen Anspruch. Nur kann die Ausführung in diesem Fall mit dem Anspruch nicht ganz mithalten. Gerade im Vergleich mit seinem Wiener Gegenstück von letzter Woche wirkt der steirische Merkur geradezu plump, mehr wie ein Lebkuchenmännchen als eine antike Gottheit. Aber gerade darin liegt auch ein gewisser, nun ja, „provinzieller“ Charme, der mir die unbeholfene Figur letztlich sympathischer macht als ihr elegantes, selbstsicheres Wiener Pedant.

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