Bauernhaus, Oberzirknitz (Steiermark)

Die allgemeine Verbreitung von Navigationsgeräten hat in den letzten Jahren die Routenplanung beim Autofahren wesentlich verändert: Solange man sich den Weg anhand von Landkarten selbst heraussuchen musste, bevorzugte man in unbekannten ländlichen Gegenden meist, auf den Hauptstraßen zu bleiben und Abzweigungen möglichst zu vermeiden, um die Gefahr des Sich-Verfahrens gering zu halten. Ein Navigationsgerät hingegen berechnet stur die schnellste Route und stößt sich nicht weiter daran, wenn diese über noch so enge, verwinkelte Nebenstraßen führt. Im schlimmsten Fall entstehen daraus  eher unangenehme Situationen: Autos, die sich auf Almwiesen verirren, oder LKW und Busse, die in zu engen Gassen steckenbleiben, wie man mit schöner Regelmäßigkeit in den Nachrichten lesen kann. Im besten Fall aber führt es zu unverhofften Entdeckungen. Denn ohne die Anweisungen meines Navigationsgerätes wäre ich wohl kaum durch Oberzirknitz gekommen – einen Ort, von dem ich zuvor nie gehört hatte und der auch in keinem der einschlägigen Denkmälerverzeichnisse aufscheint. So aber kam ich letztens nicht nur an dem ehemaligen Kaufhaus aus dem vorigen Post vorbei, sondern keine hundert Meter weiter auch noch an dem alten Bauernhaus, um das es heute geht. Und spätestens da begann ich mich spontan nach einer Parkmöglichkeit umzuschauen…

Es handelt sich bei dem Gebäude um einen sogenannten Streckhof, der mit der Giebelseite zur Straße steht und sich dann auf langem, schmalem Grundriss nach hinten zieht. Diese Form ist für die Gegend nicht unüblich, bemerkenswert ist aber, dass der vordere Abschnitt des Hauses ganz aus Holz besteht. In Blockbauweise errichtet und mit nur kleinen, grün gestrichenen Fenstern, erinnert er an traditionelle Architektur, wie man sie aus den alpineren Teilen der Steiermark kennt. Hier, in der südöstlichsten Ecke des Bundeslandes, wurde die Tradition des Holzbaus jedoch schon im 19. Jahrhundert weitgehend durch gemauerte Häuser und Höfe verdrängt. Und so ist es auch nicht zu verwundern, dass sich im vorliegenden Beispiel eben nur der an der Straße gelegene Teil in der alten Bauweise erhalten hat. Nur knapp dahinter schließen bereits Ziegelmauern an, die vermutlich erst nachträglich dazugekommen sind, da sie die Holzwände an den Seiten umfassen.

Wie alt das Gebäude tatsächlich ist, vermag ich nicht zu sagen. Aufgrund des eben Gesagten nehme ich aber jedenfalls an, dass es auf (mindestens) zwei verschiedene Bauphasen zurückgeht. Dazwischen lag, so scheint es, der im 19. Jahrhundert erfolgte Übergang von der Holz- zur Ziegelbauweise. Man kann daher wohl sagen, dass an dem bescheidenen Bauernhaus ein wesentlicher Umbruch in den Bautraditionen der Region exemplarisch sichtbar wird.

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