Schardnerhäusl, Unterschaden (Oberösterreich)

Von der herrschaftlichen Stube des vorigen Beitrags zurück in die weit einfachere Lebenswelt der dörflichen Unterschicht: Das Schardnerhäusl in Unterschaden, einem Ortsteil von Pupping, repräsentiert den Typus einer Kleinhäusler-Wohnung, wie sie jahrhundertelang für das Hausruckviertel, insbesondere für das Eferdinger Becken charakteristisch war. Der Begriff Kleinhäusler bezeichnete traditionell jene Angehörigen der Landbevölkerung, die zwar ein Haus ihr Eigen nennen konnten, aber nicht über genug Grundbesitz verfügten, um davon leben zu können. Sie mussten sich daher in der Regel als Taglöhner oder Knechte auf den Höfen der größeren Bauern verdingen und durften auch nicht in den Bauernstand einheiraten.

Auch das Schardnerhäusl wurde im Jahr 1722 von einem Taglöhner, einem gewissen Georg Dickinger, erbaut. Es wurde in Mischbauweise errichtet, d.h. ein Teil des Gebäudes ist gemauert, der andere hingegen ein hölzerner Blockbau. Gemeinsam sind beiden Bauteilen die kleinen, quadratischen Fensteröffnungen, deren geringe Größe daran erinnert, dass Fensterglas lange Zeit beinahe ein Luxusartikel war. Das auffälligste Merkmal bildet aber das noch erhaltene Strohdach. Auffällig ist dieses natürlich nur aus heutiger Sicht, denn zur Bauzeit des Hauses war diese Art der Dachdeckung im ländlichen Bereich noch weitgehend Standard. Erst seit die alten Strohdächer im 19. und frühen 20. Jahrhundert fast vollständig durch die stabileren und vor allem feuerfesteren Dachziegel ersetzt wurden, erlangten Gebäude wie das Schardnerhäusl Seltenheitswert. So bildet es heute eine der letzten authentischen Erinnerungen an eine (klein-)bäuerliche Bau- und Lebensweise, die hier im Eferdinger Becken einst allgemein verbreitet war.

Umso erfreulicher ist es, dass das heute leerstehende Haus als für die Region bedeutendes Denkmal erhalten und gepflegt wird. Erst in den letzten Jahren wurde es umfassend restauriert und mit einer Infotafel zur Baugeschichte versehen. Dieser ist übrigens auch zu entnehmen, dass das Gebäude noch bis 1970 bewohnt war. Ist es nicht eine seltsame Vorstellung, dass noch jemand unter dem alten Strohdach lebte, als Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond landeten?

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