Bürgerhaus, Mureck (Steiermark)

Bleiben wir noch am Hauptplatz von Mureck, der schon im vorigen Beitrag in den Blick genommen wurde. Der langgestreckte Platz weist eine geschlossene, einheitlich wirkende Verbauung auf: Abgesehen vom höheren Rathaus wird er von durchwegs zweigeschossigen, traufseitig zur Straße stehenden Bürgerhäusern mit meist drei oder vier Fensterachsen gesäumt. Auch wenn die meisten dieser Bauten im Kern aus der Frühen Neuzeit stammen, zeigen viele der Fassaden eine Gliederung des 19. Jahrhunderts, während andere so einfach und glatt verputzt sind, dass sie sich nur schwer einer bestimmten Epoche zuweisen lassen. In letztere Kategorie fällt auf den ersten Blick auch die heute blau getünchte Fassade gleich neben dem Rathaus. Bei näherem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass sie offensichtlich in der Zwischenkriegszeit erneuert wurde – der Dehio nennt als Entstehungszeit vage „um 1930“.

So schlicht die Fassade nämlich auch ist, so enthält sie doch einige Elemente, die für die 1920er- und 1930er-Jahre charakteristisch sind. Das auffälligste darunter ist sicherlich der Schriftzug Fürst – wohl der Name des damaligen Besitzers –, der in breiten metallenen Lettern über dem Portal angebracht ist. Die geraden, kräftigen Buchstaben kombinieren teils sehr dicke Striche mit einzelnen dünneren Elementen, wie z. B. den Armen beim F. Der so entstehende Kontrast verleiht der Schrift einen für die Zwischenkriegszeit typischen expressiven Charakter.

Auch das Portal selbst ist charakteristisch für die Epoche: Geradlinig und monumental, besteht es aus aufgerauten Steinquadern, die sich vom glatten Putz der umgebenden Wand abheben. Schließlich wäre auch noch auf die Fenstergitter im Erdgeschoß mit ihrem ausgeprägten Zackenmuster hinzuweisen. All das sind Formen, wie man sie eher an einem Wiener Gemeindebau erwarten würde als an einem Bürgerhaus am Hauptplatz einer steirischen Kleinstadt. Aber während eine solche Fassade in Wien wohl gar nicht weiter auffallen würden, setzt sie hier in Mureck unvermutet einen bemerkenswert modernen Akzent. Einen Akzent freilich, der letzten Endes doch dezent genug ist, um sich harmonisch ins historisch gewachsene Gesamtbild des Platzes einzufügen.

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