Kapelle Hl. Johannes d. T., Mittewald an der Drau (Tirol)

Vor rund zwei Jahren habe ich hier eine alte Doppelharpfe – ein hölzernes Bauwerk zum Trocknen von Heu – im Osttiroler Mittewald an der Drau vorgestellt. Nachdem ich vorletzte Woche wieder dort vorbeigekommen bin, möchte ich das zum Anlass nehmen, nun auch noch über die Johanneskapelle zu schreiben, die sich direkt daneben befindet. (Auf dem obigen Foto kann man die Harpfe in der Wiese links hinter der Kapelle erkennen.)

Das kleine Gotteshaus wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf Initiative eines gewissen Hans Kempter d. Ä. (1545–1633) errichtet. Der war Ratsbürger in Brixen und hatte das Gut Mittewald als bischöfliches Lehen inne. Um seinem Gesinde vor Ort die Möglichkeit zum Besuch des Gottesdienstes zu geben, stiftete er die Kapelle, die er seinem eigenen Namenspatron, Johannes dem Täufer, weihen ließ. Der Bau wurde 1602 begonnen und war im Jahr darauf abgeschlossen. Die Jahreszahl 1603 lässt sich, verblasst, aber doch, noch am hochaufragenden Glockengiebel der Westfassade erkennen.

Als Glockengiebel bezeichnet man einen meist über dem Giebel der Westwand errichteten Aufbau zum Aufhängen der Kirchenglocken. Diese wohl einfachste Form eines Glockenträgers besteht im Grunde aus nicht mehr als einem freistehenden Wandstück, das über die Höhe des Dachfirsts hinaus aufgemauert wurde. Rundbogige Öffnungen dienen zum Einhängen der Glocken. So einfach und praktisch derartige Giebelaufbauten sind, haben sie allerdings den Nachteil, dass sie den Glocken nur wenig Schutz vor der Witterung bieten. Es ist daher wenig verwunderlich, dass sie vor allem in der Sakralarchitektur der Mittelmeerländer üblich sind, während man sie in raueren Klimazonen wie Zentraleuropa oder gar dem alpinen Bereich seltener findet.

Allerdings sind solche Glockengiebel auch in unseren Breitengraden öfter in Architekturdarstellungen auf spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gemälden zu sehen. Es kann also durchaus sein, dass sie früher auch hierzulande häufiger vorkamen und erst im Lauf der Zeit mehr und mehr durch geschlossene Glockentürme ersetzt und verdrängt wurden. Innerhalb des heute in Österreich erhaltenen Baubestandes stellt der Glockengiebel der Mittewalder Johanneskapelle aber in jedem Fall eine Besonderheit dar.

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