Pfarrkirche Hl. Gallus, Bregenz (Vorarlberg)

Die Bregenzer Stadtpfarrkirche geht im Kern noch auf das Mittelalter zurück. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie jedoch erst im Zuge eines barocken Umbaus durch den einheimischen Architekt Franz Anton Beer (1688–1749) in den Jahren 1737–1740. Diese Umgestaltung veränderte vor allem den Charakter des Innenraums maßgeblich: Er ist geprägt durch die feine Stuckdekoration des Wessobrunner Meisters Abraham Bader (1694–um 1749) und die Deckengemälde des Riedlinger Malers Joseph Ignaz Wegscheider (1704–1758).

Ich weiß nicht, ob es beim Betrachten des obigen Fotos schon aufgefallen ist, aber – zu den gemalten Teilen der Dekoration zählen auch die beiden Fenster der nördlichen Chorwand, die auf dem Bild zu sehen sind! Die augentäuschende Malerei ist auch wirklich gut gemacht: Hinter den vermeintlichen Fensterscheiben wurden sogar die verschwommenen Umrisse von Baumkronen angedeutet. Bei flüchtigem Hinsehen kann man so wirklich glauben, nicht eine geschlossene Wand, sondern einen Ausblick in den Kirchhof vor sich zu haben.

Wie hier schon früher einmal erwähnt, erfreuten sich solche Illusionsmalereien im Barock einer gewissen Beliebtheit. Sie waren aber häufig nicht einfach nur künstlerische Bravourstücke, sondern hatten durchaus einen Zweck zu erfüllen. So auch in diesem Fall. An die Nordseite des Chores wurde beim barocken Umbau der Kirche nämlich die Sakristei angebaut. Es war also unmöglich, hier Fenster ins Freie durchzubrechen. Offenbar legte man aber doch Wert darauf, das Architektur- und Dekorationsschema an allen Wänden einheitlich zu gestalten. Die echten Fenster der Chorsüdwand mussten daher notwendigerweise an der Nordwand ihre Gegenstücke haben. Da dies architektonisch nicht machbar war, half eben der Maler mit seinem Pinsel aus. Das Resultat ist quasi eine win-win-Situation: Man konnte den einheitlichen Wandaufbau beibehalten und gewann überdies ein Stück Wandmalerei mit Überraschungseffekt, das bei aufmerksamen Betrachterinnen und Betrachtern – auch heute noch – Bewunderung hervorzurufen vermag.

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