Villa Trebesiner, Gutenstein (Niederösterreich)

Der heutige Beitrag verdankt sich gewissermaßen einer neuen, ebenso begrüßenswerten wie vielsprechenden Initiative, auf die ich einleitend kurz hinweisen möchte: dem gemeinnützigen Verein ARCHITEKTURERBE ÖSTERREICH. Ziel dieses Vereins ist es, architektonisch bedeutende Bauwerke und Gärten „gemeinsam mit den EigentümerInnen, BewohnerInnen, ArchitektInnen, (Kunst-) HistorikerInnen sowie der lokalen Bevölkerung […] über Führungen oder Tage der offenen Tür zugänglich [zu] machen“ (um die Vereins-Homepage zu zitieren). Zwei solcher Führungen sind bereits für diesen Sommer geplant: Die erste, am 22. Juli, ist den Bauten von Josef Frank in Neusiedl bei Pernitz gewidmet, die folgende, am 2. September, dem Schaffen von Julius und Wunibald Deininger in Gutenstein. (Nähere Informationen dazu hier.)

Josef Frank dürfte den meisten Architekturinteressierten ein Begriff sein, die Deiningers sind heute hingegen weitaus weniger bekannt. Ich will daher diesmal, quasi als Vorschau, einen der Bauten von Julius Deininger in Gutenstein vorstellen…

Das Werk von Julius Deininger (1852–1924) umfasst Wohnhausanlagen in Wien ebenso wie Fabriksgebäude, Grabmäler und Kirchenrestaurierungen – als sein eigentliches Spezialgebiet kann aber die Errichtung von Villen auf dem Land gelten. Gleich mehrere davon befinden sich in Gutenstein, darunter die 1889–1890 entstandene Villa Trebesiner. Als Wohn- und Kanzleigebäude für den Notar Joseph Trebesiner errichtet, ist sie in den repräsentativen Formen der Neo-Renaissance gehalten, einem Stil, auf den Deininger in seinen Entwürfen bevorzugt zurückgriff.

Der Bauaufgabe entsprechend, wurde der würdevolle Ernst der Renaissance in diesem Fall jedoch durch all jene Elemente aufgelockert, die man im Fin-de-Siècle von einer Villa in den österreichischen Alpen erwartete. Denn eine pittoreske Umgebung erforderte, nach dem damaligen Standard, eine pittoreske Bauweise. So verlieh Deininger der Villa Trebesiner mit Loggien, Erkern und Türmchen, nicht zuletzt auch durch eine reich gegliederte Dachlandschaft das für eine solche „Sommerfrischen-Architektur“ gewünschte Erscheinungsbild: Im Wechselspiel von vor- und zurücktretenden Baukörpern, offenen und geschlossenen Partien, gemauerten und hölzernen Teilen ließ er einen romantisch-malerischen Eindruck entstehen.

Dieser Anspruch setzt sich bis in kleine, auch amüsante Details fort – etwa den tierförmigen Wasserspeier hoch über dem Haupteingang.

Spätestens nach dem vorigen Beitrag wird es aber wohl niemanden wundern, dass mein Lieblingsdetail an dem Bau das Wandbild im Portikus vor der Tür ist: Es zeigt eine luftige Gartenlaube und suggeriert einen Ausblick ins Freie, wo sich die Schwalben im Himmel tummeln…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Niederösterreich abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s