Karner, Mariazell (Steiermark)

Die Geschichte der berühmten Wallfahrtskirche von Mariazell reicht bis ins hohe Mittelalter zurück, aber heute präsentiert sie sich im Wesentlichen als Barockbau des 17. Jahrhunderts. Der sie umgebende Ort ist überhaupt geprägt von Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt, weil der ältere Baubestand 1827 bei einem verheerenden Großbrand zerstört wurde. Das eine oder andere mittelalterliche Element hat sich an der Kirche und in ihrer Umgebung aber doch noch erhalten. Allem voran sind hier das Westportal und der zentrale Turm der Westfassade zu nennen, und über kurz oder lang werden beide wahrscheinlich auch noch hier im Blog auftauchen…

Diesmal geht es jedoch um den fast versteckt hinter der Kirche liegenden Karner, der ebenfalls noch aus dem Mittelalter, genauer gesagt aus dem späten 15. Jahrhundert, stammt. Er erinnert daran, dass die Wallfahrtskirche früherszeiten von einem Friedhof umgeben war, auch wenn man es dem eng verbauten, gepflasterten Platz heute nicht mehr ansehen würde.

Wie bei spätgotischen Karnern üblich, handelt es sich um einen zweigeschoßigen Zentralbau auf achteckigem Grundriss. Das Untergeschoß liegt zum Großteil unter der Erde und enthält das eigentliche Beinhaus. Hier wurden die bei der Neubelegung von Gräbern ausgehobenen Knochen und Schädel zweitbestattet. Darüber erhebt sich die deutlich höhere Friedhofskapelle, die – wie für solche Bauten ebenfalls üblich – dem Hl. Michael geweiht ist. Die strenge Geometrie des Außenbaus setzt sich im Inneren fort und tritt besonders im Gewölbe auffällig zu Tage: Es zeigt eine symmetrische Sternrippenkonfiguration, die in ihrer geradlinigen Schlichtheit wohl zu den schönsten ihrer Art in Österreich zählt.

Um zuletzt noch das Thema des vorigen Beitrags wiederaufzugreifen: Auch über den Karner in Mariazell kann man eigentlich nicht schreiben, ohne zumindest kurz auf die Restaurierungsgeschichte einzugehen. Sein Dach wurde nämlich beim oben erwähnten Brand von 1827 zerstört und in der Folge in veränderter, niedrigerer Form erneuert. Erst bei der jüngsten Restaurierung im Jahr 2006 wurde das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederhergestellt und der Bau erhielt wieder sein hochaufragendes Pyramidendach. Dieses wurde sogar ganz authentisch mit den früher üblichen Steinplatteln gedeckt. Durch seine raue, schuppenartige Oberfläche bildet es nun wieder einen bemerkenswerten Kontrast zu den glattverputzten Mauern darunter.

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