Bauernhaus, Großhart (Steiermark)

Wie schon der vorige Beitrag ist der heutige von einer Blogparade inspiriert: Auf Berg- und Flachlandabenteuer hat die Wanderbloggerin Carolin dazu aufgerufen, über Die kleinen Dinge am Wegesrand zu schreiben und sich den „kleinen Schätzen, die nicht immer sofort wahrgenommen werden“, zu widmen. Wer hier schon länger mitliest, wird sich wohl nicht wundern, dass mich dieses Thema sofort angesprochen hat. Denn genau dieses scheinbar Nebensächliche, das nur zufällig am Rande der Straße Wahrgenommene steht ja auch hier immer wieder im Mittelpunkt. Zugegeben, allzu klein sind die Dinge hier in der Regel nicht. Da es stets um Architektur – im weitesten Sinn des Wortes – geht, haben die behandelten Gegenstände doch eine gewisse Mindestgröße: Von der stillgelegten Fabrik bis zum schlichten Portiershäuschen, vom abgelegenen Gutshof bis zur Kapelle am ehemaligen Pilgerweg. Und dann sind da natürlich die vielen alten Bauernhäuser, die zwar oft bemerkenswert pittoresk neben der Straße liegen, aber meist doch zu alltäglich, um in Denkmalverzeichnissen oder dergleichen aufzuscheinen…

Ein solches Bauernhaus war auch das Thema eines der allerersten Posts, den ich hier vor mittlerweile mehr als fünf Jahren schrieb. Das Gebäude stach mir bei einer Wanderung im südoststeirischen Hügelland, unweit von Bad Waltersdorf, am Straßenrand ins Auge. Es war damals bereits verlassen und offensichtlich im Verfall begriffen, und ein Stück weit war es genau das, was mich daran faszinierte. Ich beschloss meinen damaligen Beitrag mit der Befürchtung, den Bau nicht mehr vorzufinden, sollte es mich in einigen Jahren wieder an den Ort verschlagen – und ein Blick auf die aktuelle Satellitenansicht in google maps scheint diese Vermutung zu bestätigen: An der Stelle, wo das Haus einst stand, ist inzwischen nur noch ein leeres Feld zu erkennen. Aber immerhin zeigt das Satellitenbild nach wie vor ein anderes Bauernhaus, das ich bei derselben Gelegenheit im Nachbarort Großhart fotografierte. Um dieses Haus, besonders um ein Detail daran, geht es im heutigen Beitrag…

 

Es handelt sich um einen für die Region typischen Vierseithof. Er besteht aus zwei parallelen Baukörpern mit Giebelfronten zur Straße, die an Vorder- und Rückseite durch schmale Quertrakte verbunden sind. Das weiß verputzte Gebäude scheint durchwegs gemauert zu sein, was für eine Entstehung im 19. oder sogar erst im frühen 20. Jahrhundert spricht.

Was ich daran so reizvoll fand, waren vor allem die grün gestrichenen Fensterläden, die sich vor dem weißen Grund der Fassaden auffällig abheben. Auch dieses Haus schien damals bereits leerzustehen, auch hier hatte schon der Verfall eingesetzt, hatten Farbe und Putz bereits abzublättern begonnen. Wenn man genau hinschaut, erkennt man an den Fensterrahmen auch noch die Scharniere längst verloren gegangener Fensterläden.

Wenn man schließlich ganz genau hinschaut, sieht man aber noch etwas anderes: kleine, blumenförmige Ornamente an den Metallgittern im Inneren der Fenster. Diese sind denkbar einfach, aber effektiv gestaltet, mit einem großen roten Kreis in der Mitte, darum herum sind je sieben Blätter angeordnet, von denen jedes wiederum mit einem roten Punkt verziert ist. Die kleinen roten Tupfen bilden einen hübschen Kontrast zum Grün und zum Weiß ihrer Umgebung und stechen so durchaus ein wenig hervor. Nicht zuletzt deshalb muss man man eigentlich auch gar nicht so genau hinschauen, um diese Ornamente zu entdecken. Sie leuchten nämlich so sehr heraus, dass man sie sogar von der Straße im Vorbeigehen gut wahrnehmen kann. Es reicht, dass man im richtigen Moment den Blick auf das Haus fallen lässt – und, voilà, schon sieht man sie: die sprichwörtlichen „Blumen am Wegesrand“, wenn auch in einer Form, in der man sie vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte.

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3 Antworten zu Bauernhaus, Großhart (Steiermark)

  1. Ich finde es immer schön, wenn jemand einen so liebevollen Blick für Details hat – und das ist wirklich ein besonders hübsches altes Fenster!

  2. Eva Becker schreibt:

    Bauernhausfenstergitterblumen – dasjamalschön. Ja das ist so schade, wenn sie verfallen und dann weg sind, die alten Häuser. Danke für den kleinen Blick ;-)

  3. Pingback: Die kleinen Dinge am Wegesrand – Zusammenfassung der Blogparade – Berg und Flachlandabenteuer

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