Schloss Ottensheim, Ottensheim (Oberösterreich)

Schaut man von Wilhering über die Donau, so fällt der Blick unweigerlich auf Schloss Ottensheim, das dort am steilen nördlichen Ufer thront. Es ist ein richtiges Postkartenmotiv, wie sich der langgestreckte Bau da auf einem Felsrücken bis hart ans Flussufer schiebt, um in einem markanten vorspringenden Rundturm zu enden. Nicht zuletzt dieser Turm mit seinem hoch aufragenden Dach ist es, der Ottensheim geradezu wie eine Bilderbuchburg erscheinen lässt. Wie bei den meisten Bilderbuchburgen hat dieser Eindruck allerdings wenig mit der alten mittelalterlichen Bausubstanz zu tun, sondern ist das Resultat einer romantisierenden Restaurierung des 19. Jahrhunderts.

Dabei stammen zumindest Teile von Schloss Ottensheim im Kern durchaus noch aus dem Mittelalter: Immerhin wurde es schon im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich genannt. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau der mittelalterlichen Burganlage zu einem Renaissanceschloss, der für den Gesamteindruck bis heute prägend ist. Aus dieser Zeit stammt auch der erwähnte Rundturm an der Südostecke. Ursprünglich war er allerdings niedriger als heute und reichte nur bis zur Traufhöhe des Haupttrakts. Erst bei umfassenden Umbauarbeiten in den Jahren 1895-96 wurde der Turm erhöht und um ein auf Konsolen vorkragendes Obergeschoß ergänzt. Auch das hohe Kegeldach mit einer Laterne als oberem Abschluss wurde erst damals aufgesetzt. Diese freie, romantisierende „Instandsetzung“ der Anlage zielte bewusst darauf ab, das alte, halb verfallene Schloss dem Idealbild einer Ritterburg anzupassen. Eine Absicht, die sich etwa auch in den spitzbogig erneuerten Fenstereinfassungen mit neugotischem Blendmaßwerk manifestiert.

Treibende Kraft hinter dieser gleichermaßen historisierenden wie idealisierenden Gesamterneuerung des Schlosses war der Gutsbesitzer Karl Pfeiffer von Weissenegg. Dieser hatte Schloss Ottensheim 1895 erworben und machte sich sofort daran, es seinen Vorstellungen gemäß umzubauen. Er beauftragte damit eines der renommiertesten Wiener Architekturbüros, die Firma Fellner & Helmer, die vor allem für ihre Theaterbauten und -einrichtungen berühmt war. (Nur am Rande sei bemerkt, dass Pfeiffer von Weissenegg auch in Ottensheim ein Schlosstheater einrichten ließ.) Laut einem zeitgenössischen Bericht der Linzer Tages-Post übertrugen Fellner & Helmer die Erstellung der Pläne und die Bauaufsicht dem sonst wenig bekannten Architekten H. Blattner, der wohl zu den zahlreichen Mitarbeitern der Firma zählte – zeitweise beschäftigte das Büro bis zu zwanzig Architekten. Die tatsächliche Ausführung der Arbeiten, so die Tages-Post weiter, erfolgte durch die Linzer Baumeisterfirma Fabigan & Bauer, dazu kamen eine ganze Reihe weiterer Handwerker sowohl aus Wien als auch aus Linz, vom Schlossermeister bis zum Stuckateur. Erwähnt werden in der Reihe der Beteiligten aber auch ein Wasser-Installateur und ein Elektrotechniker: So sehr sich der Bauherr eine romantische Ritterburg wünschen mochte, so wollte er anscheinend doch nicht auf den damals modernsten Wohnkomfort verzichten.

 

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Ehm. DDSG-Agentie, Wilhering (Oberösterreich)

Noch einmal Wilhering, aber wieder nicht das berühmte Stift: Statt in die Zeit des Barock geht es heute in die Belle Époque, als der Ort ein populäres Ausflugsziel des Linzer Bürgertums war. Besonders an Sonntagen wanderten die Damen und Herren aus der Stadt gerne durch den Kürnberger Wald ins nur wenige Kilometer entfernte Wilhering, um dann am Abend bequem mit dem Dampfboot auf der Donau wieder heimzufahren. Die ganz Bequemen legten allerdings auch den Hinweg schon per Schiff zurück, und an Feiertagen in der warmen Jahreszeit wurden eigene „Lustfahrten“ mit Sonderdampfbooten organisiert. Ermöglicht wurde dieses moderne Ausflugswesen durch die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, kurz DDSG, die 1830 den Betrieb aufgenommen hatte.

Heute erinnert daran in Wilhering nur mehr das alte Gebäude der 1970 aufgelassenen DDSG-Station (bzw. Agentie, wie es im Fachjargon heißt). Das fast direkt am Flussufer gelegene Bauwerk wurde auf L-förmigem Grundriss als Holz- und Fachwerkkonstruktion errichtet. Allerdings ruht diese auf einem gemauerten Unterbau, der gerade im feuchten, oft genug wohl auch überschwemmten Uferbereich sicher eine Notwendigkeit darstellte. Er ist an beiden Enden durch Treppen erschlossen.

Den längeren Arm des Gebäudes nimmt der Wartebereich für die Passagiere ein. Er ist an der zum Fluss gelegenen Seite veranda-artig geöffnet. Hier ist auch, zwischen einfachen, geometrischen Ornamenten, mehrmals der Schriftzug „DDSG“ wie mit der Laubsäge aus dem oberen Teil der Holzverkleidung geschnitten. Der kürzere Arm hingegen ist kompakter und geschlossener. Er enthält den Kassenbereich mit dem noch erhaltenen Schalterfenster sowie weitere Diensträumlichkeiten für die Beamten.

Obwohl es in Wilhering schon länger eine DDSG-Agentie gab, dürfte das Gebäude in seiner jetzigen Form wohl erst vom Beginn des 20. Jahrhunderts stammen. Zwar handelt es sich im Grunde um klassische „Sommerfrischearchitektur“, wie man sie schon aus dem 19. Jahrhundert kennt, doch zeigen einige der Details bereits die damals neuen Formen des Jugendstils, wie man sie bei solchen (halb-) öffentlichen Bauaufgaben in der Regel nicht vor 1900, eher sogar erst um 1910 findet. Vor allem aber das oben erwähnte, mehrmals angebrachte DDSG-Logo kann den Einfluss des Jugendstils nicht verleugnen: Die Schriftzeichen sind hier ganz in fließende ornamentale Formen aufgelöst, besonders das S und das G wären, außerhalb ihres Kontextes betrachtet, kaum als Buchstaben erkennbar. Das S erinnert fast mehr an eine Donauwelle als an einen Teil des Alphabets, und die Art, wie das SG beinahe als seitenverkehrte Spiegelung des DD erscheint, lässt tatsächlich ein wenig an eine verschwommene Reflexion im Wasser denken. Ob derlei Assoziationen wirklich von den Entwerfern des Schriftzugs intendiert waren, muss natürlich dahingestellt bleiben. In Anbetracht von Funktion und Position des Gebäudes sind sie aber vielleicht gar nicht einmal so abwegig…

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Stadel, Wilhering (Oberösterreich)

Den Ort Wilhering, ein Stück westlich von Linz an der Donau gelegen, kennt man vor allem wegen seines ehemaligen Zisterzienserstifts, das eine der prächtigsten barocken Klosterkirchen des Landes besitzt. Aber Klöster waren traditionell nicht nur geistliche und kulturelle Zentren, sondern auch landwirtschaftliche, und so kann es nicht verwundern, dass man in Wilhering gleich neben dem Stift diesen alten Stadel an der Straße stehen sieht. Ob dieser allerdings tatsächlich zum Kloster gehört und nicht zu irgendeinem Bauernhof in der Umgebung, kann ich zugegebenermaßen nicht mit Sicherheit sagen – immerhin findet sich im Internet die Behauptung, der Stadel habe einst zum Trocknen der Messgewänder der Mönche gedient. Das wiederum erscheint mir dann doch ein wenig zu absonderlich, um glaubhaft zu sein. Zum Trocknen dürfte das hölzerne Bauwerk aber vermutlich wirklich gedacht gewesen sein, auch wenn es dabei wohl eher um Heu oder Stroh ging als um Kleidungsstücke. Das legt zumindest die offene Bauweise, mit durchlässig angeordneten Latten statt geschlossener Wände, nahe: Sie ermöglichte die stete Belüftung, die notwendig ist, um eine Selbstentzündung des Heus zu verhindern.

Auch wenn dieser einfache Nutzbau nicht ganz so beeindruckend ist wie das danebenliegende Stift, so wirkt er – nicht zuletzt dank des auskragenden Obergeschoßes – doch auf seine Art imposant, fast wie das hölzerne Skelett eines Herrenhauses. Und wenn man die Holzkonstruktion erst einmal genauer betrachtet, sieht man, dass sie durchaus komplex ist. So zeugt der Stadel nicht nur von der Landwirtschaft vergangener Zeiten, sondern auch von der hohen Kunst der Zimmerleute. Im Gegensatz zu den Steinmetzen, Stuckateuren und Malern, die die Stiftskirche gestalteten, findet man ihre Namen freilich in keinen Kunstführern verzeichnet. Ihr Werk bewundern kann und sollte man trotzdem.

 

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