Devotionalienladen, Absam (Tirol)

Betritt man in Absam den ummauerten Bereich rund um die Kirche, wird einem sofort klar, dass es sich um einen Wallfahrtsort handelt – denn direkt am Portal steht ein kleines Häuschen, in dem Wallfahrtsandenken und Devotionalen verkauft werden, und das schon seit über hundert Jahren. Das kleine Geschäftslokal wurde im späten 19. Jahrhundert, zwischen 1879 und 1895, errichtet und hat bis heute seine ursprüngliche Fassade erhalten.

An der Längsseite erblickt man eine symmetrisch angelegte Geschäftsfront, mit dem Eingang in der Mitte und links und rechts davon je einem großen Schaufenster; zwischen diesen und der Tür ist zusätzlich noch je ein kleiner, schmaler Schaukasten in die Wand eingelassen. Tür und Fenster weisen die für jene Zeit typischen hölzernen Rahmungen auf, die in diesem Fall in freundlich wirkendem Grün und Weiß gestrichen sind. Formal sind sie an die Architektur der Renaissance angelehnt: pilasterartige Rahmenelemente, darüber Architrave, die zugleich als Inschriftentafeln dienen: „Pfarrladen“ steht in Frakturschrift über dem Eingang, „Wallfahrtsartikel“ respektive „Ansichtskarten“ über den Fenstern. Alles in allem ist das Ganze wenig spektakulär, im Grunde eine für ihre Zeit durch und durch konventionelle Geschäftsfassade. Dass sie sich in einem kleinen ländlichen Ort so unverfälscht erhalten hat, macht sie aber doch zu etwas Besonderem – umso mehr, als auch der dazugehörige Laden bis heute seine Bestimmung beibehalten hat und das Sortiment nach wie vor dem entspricht, was in den alten Beschriftungen angepriesen wird…

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Bergfried, Araburg (Niederösterreich)

Auf einem Waldrücken über dem Triestingtal gelegen, ist die Araburg ein beliebtes Ausflugsziel und wird wohl auch manchen meiner Leserinnen und Leser bekannt sein. Die Baugeschichte ist in groben Zügen mit jener zahlreicher anderer Burgruinen identisch: Ursprünglich entstand die Anlage im Hochmittelalter; im konkreten Fall wurde sie wohl im späten 12. Jahrhundert von den Herren von Araberg errichtet, auch wenn sie erst 1209 erstmals urkundlich erwähnt wird. Bis in die Frühe Neuzeit hinein wurde die Burg dann mehrmals erweitert, um 1600 aber weitgehend aufgegeben, dann in den Türkenkriegen beschädigt und in der Folge endgültig dem Verfall preisgegeben, bis sie endlich im 20. Jahrhundert als Kulturdenkmal und Wanderziel entdeckt und baulich gesichert wurde…

Den ältesten Teil der Anlage bildet die Hochburg mit dem alten Palas und dem 27 Metern hohen Bergfried. Letzterer ragt – wie auf dem obersten Foto gut zu erkennen ist – im Westen an der höchstgelegenen Stelle der Burg auf. Während nämlich an den anderen Seiten das felsige Gelände steil abfällt und so einen Angriff erschwerte, bestand an der Westseite die Möglichkeit, die Burg von der darüber gelegenen Kuppe, also von oben her zu attackieren. Dies war also die „Hauptangriffsseite“ und wurde daher durch den mächtigen Bergfried besonders geschützt. Wohl noch im 12. oder im frühen 13. Jahrhundert auf rundem Grundriss errichtet verfügt der Turm über beinahe zwei Meter dicke Mauern. Damit nicht genug, wurde er im 15. Jahrhundert noch weiter gegen die Angriffsseite verstärkt; genauer gesagt, erhielt er einen auffälligen keilförmigen Anbau. Diese im Mittelalter auch an anderen Wehranlagen anzutreffende Gestaltungsweise wird oft als „Schnabelturm“ bezeichnet. Durch die spitz zulaufende Form bot ein solcher Mauerkeil feindlichen Geschossen weniger Aufprallfläche bzw. war er gegenüber Treffern widerstandsfähiger als ein konventioneller Rundturm.

Im ‚Profil‘ betrachtet, wirkt der Bergfried der Araburg durch diesen Anbau ein wenig unbeholfen und kurios; wenn man direkt vor der spitz zulaufenden Mauerkante steht, ist die Wirkung hingegen eine ausgesprochen beeindruckende – man fühlt sich fast ein wenig an die expressionistische Architektur der 1920er-Jahre erinnert, etwa an Fritz Högers Chilehaus in Hamburg… Vielleicht noch beeindruckender ist allerdings der weite Landschaftsausblick, der sich oben vom Bergfried aus bietet. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts nämlich wurde seine ursprüngliche Zinnenbekrönung durch eine überdachte Aussichtsplattform ersetzt. Ein Besuch der Araburg lohnt sich daher definitiv nicht nur aus architekturhistorischem Interesse…

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Ehm. Reithalle der Rennweg-Kaserne, Wien III

Bleiben wir noch beim romantischen Historismus, von dem im vorigen Beitrag die Rede war. Eines der Hauptwerke dieser Stilrichtung in Wien ist das Arsenal. Die weitläufige Festungsanlage am Rand der Stadt entstand 1849–1856. Unter Bauleitung des Militärs waren mehrere Architekten an dem Großprojekt beteiligt, darunter Carl Roesner, August Sicard von Sicardsburg, Eduard van der Nüll und nicht zuletzt Theophil Hansen, der mit dem k. k. Hof-Waffenmuseum (heute Heeresgeschichtliches Museum) den repräsentativsten Teil der Anlage schuf. Wie auch die übrigen Bauteile entwarf Hansen es als Backsteinbau, der lose vom Arsenal im damals gerade noch habsburgischen Venedig inspiriert war. Die charakteristischen roten Ziegelwände sind durch Details und Zierformen im romanischen, byzantischen und maurischen Stil aufgelockert – insgesamt ein phantastischer Mix, der einen fast märchenhaften, eben romantischen Eindruck erzeugt. Dieser am Arsenal entwickelte Stil wurde in der Folge auch für andere Wiener Militärbauten verwendet und repräsentiert geradezu die Corporate Identity der habsburgischen Armee zu dieser Zeit. Man findet ihn etwa an der Rossauer Kaserne oder eben an der Reithalle der Rennweg-Kaserne…

 

Die Rennweg-Kaserne wurde 1797 in den Baulichkeiten des ehemaligen Waisenhauses am Rennweg angelegt. Die Gebäude stammen dementsprechend großteils aus dem 18. Jahrhundert, schon in den 1830ern erfolgte aber eine erste Erweiterung. 1854 schließlich wurde die hier interessierende Halle als Winterreitschule hinzugefügt. Für die Planung dieses Neubaus waren Sicardsburg und van der Nüll zuständig – ein Architekten-Duo, bei dessen Namen man vor allem an die Wiener Staatsoper denkt, das aber wie erwähnt auch am Arsenal beteiligt war. So zeigt denn auch die Reithalle die oben beschriebene Formensprache, wenn auch in einfacherer, reduzierterer Weise als an Hansens prunkvollem Waffenmuseum.

Es handelt sich um einen langgezogenen Backsteinbau mit basilikalem Querschnitt, der im ehemaligen Kasernenhof angelegt wurde und bis hinunter zur Landstraßer Hauptstraße reicht. Die Gebäudekanten sowie Rahmenteile an Portalen und Fenstern sind durch hellere Ziegel hervorgehoben; einzelne Zierelemente wie Konsolsteine und Kapitelle in Sandstein ausgeführt. Formal lassen sich Anlehnungen an die Romanik erkennen, vor allem in der Gestaltung der rundbogigen Doppelfenster. Die auffälligen Hufeisenportale an Vorder- und Rückseite erinnern dagegen an die maurische Baukunst im mittelalterlichen Spanien. Vergleichbare Formen findet man zwar auch am Arsenal, ich würde aber nicht ausschließen, dass die Hufeisenform bei der Reithalle als augenzwinkernder Verweis auf die Funktion gedacht war…

Eindeutig Verweise auf die Funktion bilden jedenfalls die Pferde-Reliefs in den Tondi, die in den Zwickeln über den Doppelfenstern angebracht sind. So kann man bis heute die ursprüngliche Nutzung am Gebäude ablesen, auch wenn es die Kaserne schon lange nicht mehr gibt und die frühere Reithalle als Turnsaal einer benachbarten Schule verwendet wird.

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