Portiershäuschen, Kapfenberg (Steiermark)

Nicht weit von der Mariazeller Kapelle steht in der Kapfenberger Industriezone ein weiteres Stück Kleinarchitektur – allerdings eines von völlig anderer Art, nämlich ein Portier- oder Parkplatzwächter-Häuschen an der Einfahrt eines Betriebsgeländes.

Als Entstehungszeit vermute ich die 1960er Jahre, würde das Jahrzehnt davor oder danach aber auch nicht ausschließen. Für diese Zeit typisch ist jedenfalls die auffällige Form des Daches. In der Seitenansicht, von der Straße betrachtet, hat es einen markanten Knick, der sogar die große darunterliegende Fensterfläche einzudrücken scheint. Nach vorne hin steigt es deutlich an und kragt, wie auch hinten, weit über den Unterbau hervor. Auch in der Vorderansicht weist es einen Knick auf, sodass ein extrem flacher Giebel entsteht. Direkt unter dessen Scheitelpunkt ist zentral eine einzelne Säule angebracht, die das vorstehende Schutzdach trägt. Heute ist diese (leider) mit einer Schutzhülle ummantelt; ihre eigentliche, schlanke und runde Form kommt daher nicht mehr zur Geltung.

Mir ist natürlich klar, dass ich im Fall dieses Portiershäuschens den Begriff Baudenkmal wieder einmal eher großzügig auslege. Aber man hätte sich gerade bei so einem kleinen, eigentlich rein funktionalen Bau ja durchaus auch mit einem simplen Flach- oder Pultdach begnügen könnte. Stattdessen wählte man jedoch ein Design, das eine gar nicht so geringe Dosis Gestaltungswillen verrät – und dessen zeittypische Dynamik mir doch bemerkenswert genug erscheint, um das Häuschen hier aufzunehmen.

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Mariazeller Kapelle, Kapfenberg (Steiermark)

Es war hier zuletzt schon kurz von der Bedeutung Mariazells als Wallfahrtsstätte die Rede. Diese Bedeutung wird nicht nur in Mariazell selbst sichtbar, sondern auch an vielen anderen Orten in Österreich. Vor allem die östliche Hälfte des Landes war und ist durchzogen von Pilgerwegen, die zu dem Marienheiligtum in den steirischen Bergen führen. An vielen Stellen stößt man daher auch heute noch auf Wegkapellen, die auf die eine oder andere Weise mit dieser Wallfahrt in Verbindung stehen. Über eine davon, im niederösterreichischen Türnitz, habe ich vor einiger Zeit schon einmal geschrieben. Eine andere besteht noch in Kapfenberg, mitten in der Industriezone, die seit dem 19. Jahrhundert das nordwestliche Randgebiet der Stadt okkupiert. Bei ihrer Errichtung in der Zeit um 1750 stand die Kapelle allerdings noch ein Stück außerhalb des Ortes, eben an der nach Mariazell führenden Straße.

Es handelt sich um einen kleinen Barockbau mit flachem Volutengiebel, der am Beginn des 20. Jahrhunderts erneuert wurde. Das Giebelfeld zeigt ein Gemälde der in den Wolken schwebenden Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind, und zwar in Gestalt des Gnadenbilds von Mariazell, wie es etwa auch auf Wallfahrtsandenken zu sehen war (und ist). So stand den vorüberziehenden Pilgern unterwegs das Ziel schon vor Augen. Zugleich bot die Darstellung auch der Bevölkerung vor Ort gleichsam einen „direkten“ Zugang zur Mariazeller Muttergottes, ohne dass man sich erst auf den beschwerlichen Marsch begeben musste.

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Hotelfassade, Mariazell (Steiermark)

Mariazell ist zweifellos der bedeutendste Wallfahrtsort Österreichs, und das bereits seit Jahrhunderten. Mit dem Einsetzen des Alpintourismus im 19. Jahrhundert wurde es aber zunehmend auch zum Ziel durch und durch weltlich gesinnter Sommerfrischler und anderer Urlauber. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam dann auch noch der Wintertourismus dazu, zählte Mariazell doch zu den ersten Zentren des damals noch jungen alpinen Skisports. Es ist daher alles andere als verwunderlich, dass man vor allem im Ortskern rund um die Kirche zahlreiche Hotels, Pensionen und Restaurants findet, deren Fassaden auf die Zeit um 1900 zurückgehen.

Einige davon sind nicht zu übersehen, weil sie direkt am Hauptplatz liegen, andere jedoch sind etwas versteckter. Zu Letzteren zählt das Gebäude, um das es heute hier geht: Es liegt zwar fast unmittelbar hinter der berühmten Basilika, allerdings in einer so engen Gasse, dass man seine Jugendstilfassade im Vorbeigehen fast gar nicht wahrnimmt. Wenn ich die bauliche Situation richtig verstanden habe, handelt es sich um einen Zubau zum ehemaligen Hotel Zum goldenen Greifen, das seinerzeit so etwas wie das erste Haus am Platz war. Genauere Informationen zu dem Bauteil konnte ich bislang allerdings keine finden, d.h. ich kann in diesem Fall nur nach dem Augenschein gehen (und bin natürlich für Hinweise von Ortskundigen dankbar).

Die großen Fenster im Erdgeschoß verweisen jedenfalls eindeutig auf einen Speisesaal. Die Fassadendekoration suggeriert eine Entstehungszeit um 1900/1910. An der Fassade des Obergeschoßes begegnen Ornamente, wie sie für die damals gängige „geometrische“ Variante des Jugendstils typisch sind. Ähnliche Formen gibt es in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts etwa auch in niederösterreichischen Kleinstädten öfter. Die moderne Formensprache des Jugendstils ist im vorliegenden Fall jedoch nur oberflächlicher, austauschbarer Dekor. Die Grundstruktur bleibt hingegen durchwegs traditionell: Das Obergeschoß wird von einer Reihe flacher Pilaster gegliedert, die man genauso gut mit neobarocken oder klassizistischen Formen überziehen können hätte.

Aber spannender finde ich im Grunde ohnehin das Untergeschoß. Hier sind nämlich die Putzflächen neben und über den Fenstern von einer dichten Folge senkrechter Rillen durchzogen. Die Putzoberfläche selbst wird hier ganz zum Ornament. „Schnürlputz“ nannte man diese Art der Wandgestaltung damals in Wien. Man findet sie etwa auch an Friedrich Ohmanns Wienfluss-Portal (1903–1906) im Stadtpark.

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